GATZ-CANADIER-EINSATZBEREICHE


Vorweg gesagt, die Gatz-Canadier können, wie auch auf manchen Bildern sichtbar, aufgrund ihrer Eigenschaften oft  in schwierigeren Gewässertypen eingesetzt werden, als Sie sie als Canadierfahrer vielleicht aktuell bewältigen können. Mit der wachsenden Erfahrung beim Paddeln wächst aber auch die Sicherheit und Bootsbeherrschung. Dadurch verschieben sich die Grenzen, und das Einsatzspektrum in dem Sie sich wohlfühlen vergrößert sich.

Wir möchten unseren Kunden mit unseren Einsatzkategorien einen Überblick geben, wo das jeweilige Modell gut und, mit der notwendigen Erfahrung und Paddeltechnik, sicher einsetzbar ist.
Bewusst folgen wir hier nicht der internationalen 6-Klassen-Wildwasser-Kategorisierung. Für die meisten erfahrenen Canadierfahrer ist bei klassischem WW 3, spätestens aber bei WW 4 mit Verblockungen schon eine Grenze erreicht. Daher finden wir für den Bereich des Familien- und Tourencanadiers durchaus weitere Unterscheidungskriterien in den per Definition “unschwierigen bis mäßig schwierigen” Bereichen, WW1-2, angebracht um das für Ihren Bedarf richtige Kanu auszuwählen.

Bitte beachten Sie, dass es hier nur um Anhaltspunkte handelt und normale Bedingungen (Wasserstände / Witterung) vorausgesetzt werden.

Wichtig: Ein großer See kann bei Sturm Wellen bekommen, die durch Größe und Frequenz deutlich gefährlicher sind als manche Wasserwucht auf Fließgewässern. Auf diesen wiederum spielt Technik und die Fähigkeit das Wasser “zu lesen” eine große Rolle. Nutzen Sie Literatur (z.B. den immer noch aktuellen Klassiker “DER CANADIER”) und auch Videos zum Selbststudium. 
Überschätzen Sie sich nicht und gehen Sie erst einen Schritt weiter, wenn Sie und Ihre Mitpaddler eine Kategorie wirklich gut beherrschen.
Planen Sie mit Gewässerführern, Wind- und Wettervorhersagen und tragen Sie immer die richtige Kleidung und eine Schwimmhilfe. Sorgen Sie für maximalen Auftrieb Ihres Kanus, z.B. durch Packsäcke, Tonnen, zusätzliche Auftriebskörper.

Unsere 10 Stufen gliedern sich mit fließenden Übergängen wie folgt:

Einsatzbereich 1: SEE

(z.B. Mecklenburger Seenplatte, Bodensee, Alpenseen, Baggerseen, Alster) Ruhige Seen, von klein bis groß, laden zum entspannten Dahingleiten ein. Bei Wind fahren Sie möglichst unter Land und in windgeschützten Bereichen.  Achtung bei Schiffsverkehr! Achtung auch bei Starkwind! Eine Persenning kann hier Ihren Komfort erhöhen. denn sie mindert nicht nur auf dem See Windangriffsflächen am Kanadier.

Einsatzbereich 2: KÜSTE

(z.B. Mittelmeerinseln, Schären, Boddengewässer/Ostsee) Hier in küstennahen Bereichen ist das Wasser oft etwas unruhiger als auf Seen, generell kann man aber sagen, dass ein Kanu auf dem offenen Meer in Küstennähe ähnlich gut einsetzbar ist, wie auf einem großen See. Natürlich nur bei guten Bedingungen und entsprechender Wetterprognose. Wenn Sie die Zone mit leichter Brandung überwinden können, haben Sie im Regelfall in der Dünung auch keine Schwierigkeiten. 

Einsatzbereich 3: GROSSFLUSS

(z.B. Rhein, Mosel, Elbe, Donau) Starke Strömung und Schiffsverkehr sind hier als wichtigste Gefahrenquellen zu nennen. Paddeln Sie außerhalb der Fahrrinne und behindern Sie keine anderen Wassersportler und die Berufsschifffahrt. Dann ist das umangestrengt, ruhige Dahingleiten bei teilweise schneller Strömung und leichtem Wellengang ein Genuss und die wechselnden Uferlandschaften machen die Tour kurzweilig.

Einsatzbereich 4: GROSSFLUSS, mäandernd

(z.B. Durance, Loire, Yukon, Klarälven) Große Flüsse mit starker Wasserführung suchen sich , wenn sie nicht kanalisiert wurden, in großen Mäandern ihren Weg. Man kann hier weit vorausschauend fahren, muss aber auf große Kehrwässer und Schiebeströmungen mit starken Verwirbelungen achten.

Einsatzbereich 5: FLUSS, ruhig

(z.B. Ruhr, Isar, Sieg, Ardeche, Semois, Schlei, jeweils in großen Teilen) Diese kleineren Flüsse sind weniger breit, haben geringere Wasserführung als Großflüsse und folgen mit ihrer Fließgeschwindigkeit dem natürlichen Gefälle. Hin und wieder ist mit Stromschnellen  oder Gefällbremsen zu rechnen, die im Zweifel auch gut zu umtragen sind. Wehre in unterschiedlichster Ausführung sind kein Wildwasser und oft sehr gefährlich. Diese zu umtragen ist nie falsch und schützt nicht nur Ihr Kanu vor Schäden!

Einsatzbereich 6: KLEINFLUSS

(z.B. Rur, Ammer, Wupper, Spree) Kleinflüsse haben oft, aber nicht unbedingt, lebhafte Strömungen, kleine Felshindernisse, die mit guter Technik problemlos zu umfahren sind, abwechselnde Ufer und machen dadurch viel Spaß. Manche Kleinflüsse, gerade im flacheren Land, sind aber auch recht eng, mäandern stark und sind auch dadurch interessante Gewässer.

Einsatzbereich 7: FLUSS mit Felsen

(z.B. Loisach, obere Isar, Prüm, Oker, Ardennenflüsse) Flüsse mit abwechselndem Charakter und kleinen unregelmäßigen Hindernissen, entweder bedingt durch den Wasserstand oder die Flussmorphologie. Felsen können flach überspült sein oder lenken die Strömung ab. Dabei entstehen Wellen, Kehrwässer und Rückläufe, die beherrscht werden müssen. Felskontakt sollte immer vermieden werden.

Einsatzbereich 8: LEICHTES WILDWASSER

(Inn, Aare, Ardeche teilweise, Durance, Klarälven Oberlauf) Schnelle Strömungen, Wellen, Wirbel, Felsen,... einfach alles, was einen Wildfluss ausmacht. Dennoch, mit gut erlernter und vorausschauender Technik am besten mit einem Canadier mit Persenning und in knieender Fahrweise sehr gut zu beherrschen und für die meisten Bootsmodelle von Gatz-Kanus kein Problem. Lange Kanus muss man hier eben mit kräftigeren Steuerschlägen und noch vorausschauender fahren.

Einsatzbereich 9: WILDWASSER

Die Obergrenze für die meisten Canadierfahrer. (Bild: Rio Guadalquivier) Hier machen Kenterungen nicht mehr viel Spass und die Kanus müssen in jedem Fall auch mit reichlich Zusatzauftrieb ausgestattet sein. Wildwasserausrüstung wie Helm, Schwimmweste, Kälteschutz, etc. versteht sich hier von selbst. Mit viel Erfahrung ein Einsatzbereich, der viel Freude macht. Ohne Erfahrung einfach nur gefährlich für Paddler und Material!

Einsatzbereich 10: SCHWERES WILDWASSER

(z.B. hier Olaf Gatz im Grand Canyon) Eine absolute Grenze für den normalen Touren-, Expeditions- und Wildwasser-Canadierfahrer und nur Experten vorbehalten. Nur wenige Extrempaddler bewegen Canadier in diesen schwierigen Gewässern, die ansonsten den dafür konstruierten, deutlich kürzeren WW-Einerkajaks vorbehalten sind. Die Kenterrolle sollte im Canadier beherrscht werden und Zweier-Teams müssen perfekt aufeinander abgestimmt unterwegs sein.